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Fische lassen viele Menschen kalt. Allenfalls auf dem Teller mag man sie heiss. Doch «NETZ NATUR» kommt dem Schuppenvolk im Wasser ganz nahe und zeigt, wie eng Fische mit uns verwandt sind. An ihnen sehen wir, wie wir die Natur und unser eigenes Leben verändern.

«Damals gab es hier im Doubs so unglaublich viele Insektenlarven im Wasser, dass eine Forelle nur das Maul zu öffnen und den Kopf zu drehen brauchte, um zu fressen. Und so gab es denn auch unglaublich viele Forellen!» erzählt uns Michel Roggo, der wohl berühmteste Fischfotograf Europas und vielleicht der Welt. Mit seinen abenteuerlichen Konstruktionen grossformatiger Kameras, die er an langen Stangen in reissende Flüsse oder stille Wasser führt oder die er zwischen Steinen festklemmt und so die Linse ganz nahe an die scheuen Fische heranbringt, gelingen ihm atemberaubende, hautnahe Porträts von Fischen. Er ist der Meister der grandiosen Ästhetik fremder Lebewesen in ihrem Element.

Mit solchen Bildern führt «NETZ NATUR» ins Reich der einheimischen Fische und stellt einen verblüffenden Vergleich an: Eine frisch geschlüpfte Forelle sieht einem vier Wochen alten menschlichen Embryo verblüffend ähnlich. Und das ist kein Zufall, denn dass wir während der ganzen Schwangerschaft in einer milden Salzwasserlösung schwimmen, weist darauf hin, dass unsere Stammesgeschichte vor rund 400 Millionen Jahren mit den ersten Fischen im Wasser begann. Zwar leben wir inzwischen nach der Geburt auf dem Trockenen, doch unsere gesamte Embryonalentwicklung im Mutterleib findet noch immer in einer Art Aquarium, in der Fruchtblase im Wasser statt - im Element der Fische.

Wie wir heute mit Michel für die Dreharbeiten im Flüsslein Doubs an der Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich stehen, haben wir Mühe, einzelne grosse Insektenlarven, die Leibspeise der Forellen, unter den Steinen im Flussbett zu finden. Die Millionen von Insekten sind im Doubs weitgehend verschwunden. Und mit ihnen die Fische.

«NETZ NATUR» besucht mit Michel Roggo verschiedene Gewässer im ganzen Land und geht der Frage nach, was dahinter steckt, dass viele Fische grosse Mühe haben. Fast überall sind sie in den letzten dreissig Jahren massiv zurückgegangen. In den meisten Seen haben die Berufsfischer nur genügend Felchen in den Netzen, weil man mit künstlich erbrüteten Besatzfischen nachhilft. Auf dem Seegrund hat es oft zu viel Schlamm und zu wenig Sauerstoff, als dass sich die Felchen natürlich fortpflanzen könnten.

Noch stärker stehen Fische in den Fliessgewässern unter Druck. Sei es, dass ihnen in den Gebirgsflüssen schlicht das Wasser fehlt, weil die Elektrizitätswerke mit dem Restwasser geizen. Oder sei es, dass die Flüsse verbaut, überdüngt oder vergiftet sind: Die Landwirtschaft hinterlässt im Wasser unsichtbare, aber gefährliche Spuren. Auch die Siedlungen leisten ihren Beitrag: Aus den Kläranlagen entweichen hoch potente Giftstoffe und Abbauprodukte von Medikamenten, die fatale Auswirkungen auf die Fische haben. Und schliesslich haben die Fischer jahrhundertelang versucht, durch künstliche Aufzucht und Einsetzen von Jungfischen ihre Erträge zu steigern. Man weiss heute, dass dies die natürliche Fortpflanzung derart stört, dass die Populationen der Fische zusätzlich geschwächt werden. Fremde Fische, die zurzeit über den Rhein einwandern, sind zudem eine grosse Gefahr für einheimische Arten und die Klimaerwärmung lässt Flüsse austrockenen oder so warm werden, dass etwa Forellen kaum noch Überlebenschancen haben.

«NETZ NATUR» zeigt die Zusammenhänge zwischen der Welt der Menschen und der Fische und kommt zum Schluss: Was den Fischen schadet, kann auch für uns nicht gut sein, weil uns die Fische näher stehen, als uns lieb sein kann.

Quelle und Film: https://www.srf.ch/sendungen/netz-natur/unsere-verwandten-im-wasser

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