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Bei Kindern bis fünf Jahre ist das Risiko des Ertrinkens besonders hoch. Mit einer gewissenhaften Aufsicht lassen sich Unfälle am ehesten verhüten.

Ein Augenblick der Unaufmerksamkeit, eine Hand, die fehlt, während die Schwimmflügel gesucht werden - plötzlich ist das Kind verschwunden. Jährlich enden 360 Wasserunfälle bei Kindern mit Beinahe-Ertrinken. Für etwa 6 Kinder kommt jede Hilfe zu spät.

Ertrinkungsunfälle treten bei Kindern unterschiedlichen Alters auf. Einige konnten bereits schwimmen und gingen in einem unbeobachteten Moment einfach unter. Besonders gefährdet sind aber Kinder bis fünf Jahre, wie die Statistik der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) über Wasser- und Badeunfälle in der Schweiz zeigt.

Unbeaufsichtigt am Wasser

Die Erfahrungen von Bernhard Frey, Leiter der Intensivstation des Zürcher Kinderspitals, stimmen mit der BfU-Statistik überein: «Typische Ertrinkungsunfälle passieren bei Kleinkindern, die sich unbeaufsichtigt in Wassernähe aufhalten und nicht schwimmen können.» Die Mehrzahl von ihnen stürzt plötzlich ins Wasser.

Auf der Intensivstation des Zürcher Kinderspitals werden jährlich 3 bis 6 Kinder behandelt, die einen schweren Ertrinkungsunfall erlitten haben. Etwa ein Viertel von ihnen verstirbt trotz intensiven medizinischen Massnahmen wenige Stunden nach dem Ereignis. «Ob ein Kind den Ertrinkungsunfall überlebt oder nicht, hängt vom Ausmass der Hirnschädigung ab», sagt Bernhard Frey. Der Schaden sei umso grösser, je länger sich der Kopf unter Wasser befunden habe.

Bereits nach drei Minuten ohne Sauerstoff beginnt eine irreversible Schädigung des Gehirngewebes. Gelingt es durch Erste-Hilfe-Massnahmen, die Sauerstoffversorgung des geborgenen Kindes wieder in Gang zu bringen, können schwerwiegende neurologische Schäden unter Umständen vermieden werden. Da nicht überall wie in den öffentlichen Hallenbädern professionelle Helfer direkt vor Ort sind, kommt der Rettung durch Laien in solchen Situationen eine enorme Bedeutung zu.

Laut dem Intensivmediziner werden bei Ertrinkungsunfällen vor allem zwei Verläufe beobachtet: Während Kinder mit den schwersten Hirnschädigungen häufig nach kurzer Zeit sterben, überleben die übrigen Verunfallten das Ereignis oft folgenlos. Nur einige wenige tragen lebenslange Behinderungen davon. «Dieses dichotome Muster ist überall auf der Welt gleich», sagt Frey. Vor allem für Kleinkinder entwickeln sich die offene Regentonne auf dem Nachbargrundstück, der Bach vor dem Haus oder das Schwimmbecken in der Badeanstalt schnell zur tödlichen Gefahr. Abgenommen hat dagegen in den letzten Jahren die Zahl der Ertrinkungsunfälle in Biotopen. «Die Sicherheit der Biotope ist gut in der Schweiz», sagt Christoph Müller, Berater Sport beim BfU.

Gefährliche Swimmingpools

Allerdings befürchtet die BfU mit der steigenden Zahl von Swimmingpools in Gärten eine erneute Zunahme von Ertrinkungsunfällen. «Aus Ländern wie Australien wissen wir, dass mit der Zahl der Pools auch das Ertrinkungsrisiko zunimmt», so Müller.

Obwohl die Unfallgefahr reduziert werden kann, wenn Kleingewässer entsprechend gesichert werden, ist die gewissenhafte Aufsicht der Kinder das A und O der Unfallverhütung. «Üblicherweise ist den Aufsichtspersonen zwar klar, dass am Wasser eine erhöhte Aufmerksamkeit gefragt ist», sagt der Unfallexperte. Wie schnell und lautlos ein Kind untergehe, sei aber nur ganz wenigen bewusst. Daher rät die BfU, Kinder unter fünf Jahren am Wasser so zu überwachen, dass sie sich in einer Entfernung von höchstens drei Schritten aufhalten.

Das Tragen von Schwimmflügeln beim Spielen in Wassernähe ist hingegen nicht ausreichend, um das Kind vor dem Ertrinken zu schützen. «Schwimmflügel sind kein Rettungsgerät, denn sie schützen den Kopf nicht vor dem Untergehen», sagt Müller. Damit das Kind bei einem plötzlichen Sturz in das Wasser vor dem Ertrinken geschützt ist, müsste es eine Rettungsweste tragen - die Aufsichtspflicht wird dadurch aber nicht ersetzt.

Zu der häufig diskutierten Frage, unter welchen Voraussetzungen Kinder ohne Begleitung in die Badi gehen dürfen, will sich die BfU nicht äussern. «Wir empfehlen, auch ältere Kinder bis neun Jahre beim Baden immer im Auge zu behalten», so Müller. Selbst bei Zehn- bis Vierzehnjährigen sei ab und zu eine Kontrolle nötig.

Was zu tun ist, wenn ein Kind in der Badi verloren geht

Am Wasser suchen und im Notfall rasch beatmen

Jede Sekunde zählt, wenn in Wassernähe ein Kind vermisst wird. Claudia Furrer, die an der Poliklinik des Kinderspitals Zürich Kinder betreut, die einen Ertrinkungsunfall hatten, rät: «Zuerst immer am Wasser nachschauen!» Oft denke man in der Badi im ersten Moment an die Toiletten oder den Kiosk. So geht wertvolle Zeit verloren.

Kinder, die ins Wasser fallen, halten zunächst den Atem an, in der Folge aspirieren sie Wasser in die Lungen. Hierdurch wird die Sauerstoffversorgung unterbrochen, und es kann zu einem Kreislaufstillstand kommen. Durch eine rasche Beatmung, auch durch Laien, kann das initiale Problem des Sauerstoffmangels behoben werden. «Das Herz beginnt anschliessend schnell wieder zu schlagen», so Bernhard Frey vom Kinderspital Zürich.

Ob der fehlende Sauerstoff zu irreversiblen Hirnschädigungen geführt hat, kann erst mithilfe spezieller Untersuchungen im Spital geklärt werden. «Bei vielen Kindern ist der Krankheitsverlauf überraschend gut», sagen die Mediziner übereinstimmend. «Dies ist ein Grund dafür, warum bei jedem Kind, das leblos aus dem Wasser geborgen wird, unverzüglich lebensrettende Massnahmen eingeleitet werden sollten.»

Quelle: NZZ am Sonntag, 7.8.2011, Seite 49, Regina Scharf

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