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In der Badi und im See tummeln sich alle möglichen Erreger. Wer einige Regeln beachtet, braucht sich aber nicht zu fürchten.

Schwimmbrillen sind gnadenlos. Glasklar sieht man alles, was sich in der Badi herumtreibt: Ein Pflaster mit dunklem Fleck, Taschentuchfetzen und bräunliche Stückchen, die hoffentlich nur Erde sind. Mit Grausen erinnert man sich an die Ladung Wasser, die man eben versehentlich verschluckte. Wer weiss, was für Keime sich nun im Darm tummeln.

«Der Mensch trägt in und auf sich über zehn Billionen Bakterien», sagt Reinhard Zbinden, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Mikrobiologie. «Natürlich gelangen davon beim Baden einige in das Wasser, und andere Badende tragen sie mit hinaus. Aber spätestens nach dem Duschen hat man sich meist davon befreit.» Es sei zwar durchaus möglich, sich beim Baden mit einem Erreger zu infizieren. «Im Schwimmbad ist das aber sehr unwahrscheinlich. Denn Chlor oder andere Desinfektionsmittel verhindern, dass sich Keime vermehren.» In Flüssen oder Naturseen sei das Risiko etwas höher, insgesamt aber ebenfalls gering.

Grippeähnliche Beschwerden

Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten können nicht nur beim Schlucken oder Trinken von Badewasser in den Körper gelangen, sondern auch über Ohren, Nasenlöcher, Harnausgang oder die Scheide. Manche Erreger atmet man über die Luft ein, andere dringen aktiv durch die Haut. «Es gibt keine genauen Statistiken, wie häufig und womit sich Badende hierzulande infizieren», sagt Christian Ruef, Leiter der Spitalhygiene am Unispital Zürich. «Es kommt sehr selten zu Infektionen, und die meisten sind so mild, dass man damit nicht zum Arzt zu gehen braucht.»

Vor vier Jahren stellte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Leitlinie für «sicheres Baden» zusammen. Bei der Lektüre kann einem die Badelust vergehen: Detailliert beschreiben die WHO-Experten, welche Infektionen sich Badende in den vergangenen rund vierzig Jahren zuzogen. Ziemlich eklig: Die meisten Keime waren mit dem Kot anderer Badenden ins Wasser gelangt, zum Beispiel wenn jemand Durchfall hatte. Beruhigenderweise war es in den ganzen Jahren aber nur zu einzelnen Krankheitsausbrüchen mit jeweils wenigen bis rund 100 Erkrankten gekommen.

Die Erreger können ganz unterschiedliche Infektionen verursachen. Manche lösen grippeähnliche Beschwerden aus, viele führen zu Durchfall. «Von Parasiten verursachter Durchfall ist in Mitteleuropa selten», weiss Herbert Auer, leitender Parasitologe an der Medizinischen Uni Wien. «Bei einer Reise in ein Land mit niedrigerem hygienischem Standard muss man aber immer daran denken.»

Häufiger ist hierzulande die Zerkariendermatitis, der «swimmer's itch». Das ist eine Infektion mit Larven von Würmern, die in Wasserschnecken heranwachsen und überwintern. Sobald es warm wird, verlassen sie die Schnecken und dringen in die Haut von Wasservögeln wie Enten ein. Dabei «irren» sie sich ab und zu und bohren sich in die Haut von Badenden. «Pro Jahr sehen wir 5 bis 10 solche Fälle», sagt Peter Schmid-Grendelmeier, Dermatologe am Unispital Zürich. «Bei einigen juckt die Haut bloss, bei anderen wird sie rot, und es entstehen kleine oder grosse, juckende Knoten.» Der Ausschlag sei zwar lästig, aber harmlos. «Gegen den Juckreiz helfen Antihistaminika-Tabletten oder Cortisoncrème. Schützen kann man sich, indem man nicht in ufernahen Zonen mit viel Vegetation schwimmt, Gewässer mit Wasservögeln meidet und sich nach dem Bad ausgiebig duscht.»

Auch das Ohr kann von einer Infektion betroffen sein - sogenannte Pseudomonas-Bakterien befallen den äusseren Gehörgang. Dann schmerzen und jucken die Ohren, manchmal hört man nicht mehr richtig. Die Bakterien können auch zu einem juckenden Ausschlag führen, den man sich vor allem nach längerem Aufenthalt in sehr warmem Wasser zuzieht, etwa in nicht richtig desinfizierten Sprudelbecken. Deren Wasser kann zudem mit Legionellen oder Leptospiren belastet sein. Diese Bakterien atmet man mit dem Dampf ein, sie können grippeähnliche Beschwerden oder eine Lungenentzündung verursachen.

Werden die Augen nach dem Schwimmen rot, tränen und schmerzen, verträgt man helles Licht nicht und hat ein Fremdkörpergefühl im Auge, könnte eine Bindehautentzündung dahinterstecken. «In der Saison sehe ich oft mehrere Patienten am Tag damit», berichtet Gerald Böhme, Vorstand der Europäischen Kontaktlinsengesellschaft der Augenärzte. «Sie wird meist durch eine Reizung von Chlorwasser hervorgerufen, seltener durch eine Infektion mit Keimen.» Dies sind dann meist Viren oder Chlamydien. Sehr selten lösen Amöben bei Badenden eine Entzündung der Hornhaut aus mit typischerweise starken Schmerzen. «Vor Augenentzündungen schützt am besten eine dicht sitzende Schwimmbrille», rät Augenarzt Böhme. «Bei roten und schmerzenden Augen sollte man spätestens am nächsten Tag einen Augenarzt aufsuchen.»

Hartnäckiger Fusspilz

Nicht nur im Badewasser lauern Keime. Vor allem in Duschen und Umkleidekabinen kann man sich mit hartnäckigem Fusspilz oder mit Viren anstecken, die Warzen an den Füssen verursachen. Diese Gefahr ist viel grösser als durch Wasserkeime: Rund jeder achte Erwachsene hat Fusspilz, etwa jedes zehnte Kind Warzen. «Davor kann man sich aber gut schützen - nämlich mit Badeschlappen», rät der Infektiologe Ruef. «Und Badewasser-Infektionen vermeidet man, indem man möglichst wenig Wasser schluckt und sich danach gründlich abduscht. Den Badespass braucht man sich wegen der Keime jedenfalls nicht verderben zu lassen.»

Chlor desinfiziert

Chlor gehört wie Fluor, Brom und Jod zur Gruppe der Halogene im Periodensystem und ist eines der reaktivsten chemischen Elemente. Es kommt in der Natur daher nicht elementar, sondern immer verbunden mit anderen Elementen vor, zum Beispiels als Natriumchlorid (Kochsalz). Für die Desinfektion von Schwimmbädern verwendet man die Trichlorisocyanursäure (TCCS). Sie bildet farblose Kristalle, die in Tablettenform verkauft werden. Im Wasser entsteht daraus unter anderem die hyperchlorige Säure (HClO), die eine stark desinfizierende und bleichende Wirkung hat. (hir.)

Quelle: NZZ am Sonntag, 1.8.2010, Seite 49, Felicitas Witte

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