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Vor dem Kehlhof in Stäfa liegen auf dem Seegrund zwei Schiffe aus dem 19. Jahrhundert. Ein kleines Unterwassermuseum erzählt demnächst ihre Geschichte.

Es ist dunkel auf dem Seegrund, im grünlichen Wasser sind nur schemenhafte Umrisse auszumachen. Dann plötzlich, wie von Geisterhand, taucht ein Wrack auf. Seit über 130 Jahren liegt es da, praktisch unberührt. Es ist einer von zwei Schleppkähnen, die 1885 vor dem Weiler Kehlhof in Stäfa gesunken sind und vor einigen Jahren entdeckt wurden.

Seither sind die Wracks ein beliebtes Ausflugsziel von Sporttauchern. Bald schon dürften sie aber über die Taucherszene hinaus Bekannt­heit erlangen. Denn der Kanton Zürich will im Stäfner Kehl­hof in rund zehn Metern ­Tiefe ein kleines Museum eröffnen, wie Beat Ebersch­weiler, Leiter der Kantonsarchäologie, auf Anfrage der «Zürichsee-Zeitung» bestätigt. Er spricht von einem «unterwasserarchäologischen Fenster» – eines, das einen flüchtigen Blick auf die Geschichte erhaschen lässt. «Der See ist ein einmaliges Geschichts­archiv», sagt Ebersch­weiler.

Kooperation mit Privaten

In der Schweiz ist das Vorhaben einzigartig. Ähnliche Installationen gebe es auf der deutschen ­Seite des Bodensees, sagt der Kan­tons­archäologe. Aus Skandinavien und England sind grös­sere Touristenangebote für ganze Tauchergruppen bekannt. Details zum Projekt im Zürich­see will Ebersch­weiler vorab nicht verraten. Die breite Öffentlichkeit soll erst im Sommer über das Projekt informiert werden, wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind.

Einen Grossteil davon führt nicht der Kanton selber aus, sondern ein privater Tauchverein: Die 2005 gegrün­dete Gruppe Swiss Archeo­divers ist für die Arbeiten unter Wasser zustän­dig. Im Einsatz waren bisher acht Taucher. Der Verein mit rund 20 Mitgliedern unterstützt archäologische Dienste in der ganzen Schweiz und hat schon oft mit der Zürcher Kantonsarchäologie zusammengearbeitet.

Im Zürich­see haben die Taucher bei jenem Schleppkahn, der weiter Richtung ­Zürich liegt, Informationstafeln angebracht. Von der Kantonsarchäologie stammen die Idee sowie das Material: mit Luft gefüllte Plaketten, die Auftrieb haben und den Eindruck erwecken, als würden sie im Wasser schweben. Sie sind an Eisenstangen befestigt, die metertief in die Seekreide gerammt worden sind.

Als Zürich zur Seestadt wurde

«Die Tafeln zu installieren war nicht einfach», sagt Taucher Adelrich Uhr von den Swiss Archeo­divers. In einem ersten Versuch seien sie so befestigt worden, dass sie sich zu weit über dem Schiff befunden hätten. «Bei schlechtem Wetter sah man dann ent­weder nur die Tafeln oder nur ­das Wrack, aber nie beides ­gleichzeitig.» Inzwischen seien die schwimmenden Plaketten besser positioniert.

Historisch interessierte Taucher können auf ihnen die Geschichte des Wracks nachlesen und einiges über die Schifffahrt im 19. Jahrhundert erfahren. Der See war damals – insbesondere vor dem Bau der Eisenbahnlinie und der Seestrasse – der wichtigste Verkehrsweg. In den 1880er-Jahren wurden viel Kies und Gestein über den See nach Zürich transportiert, wo unter Ingenieur Arnold Bürkli die Promenaden und Quaimauern entstanden. ­Zürich, bislang nur an der Limmat gelegen, wurde damit zu einer Stadt am See.

Eine Ladung, die nie ankam

Die benötigten Steine für die Land­aufschüttungen wurden ­von Dampfern mit angehängten Schleppkähnen nach Zürich gebracht (siehe Artikel rechts). Die Transportschiffe, Prahme genannt, waren recht­eckig und hatten einen flachen Boden. Sie boten eine grosse Lade­fläche. Zwei solche Exemplare liegen vor ­Stäfa auf dem Seegrund – mitsamt der Ladung, die nie an ihrem Bestimmungsort ankam.

Quelle: zsz.ch, 26.2.2016

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