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Der Pfäffikersee im Zürcher Oberland soll frei bleiben von fremden Tier- und Pflanzenarten. Deshalb müssen nun Boote vor dem Einwassern gründlich gereinigt werden.

Die beiden grössten See im Kanton Zürich, der Zürich- und der Greifensee, sind bereits mit schädlichen, gebietsfremden Tieren und Pflanzen befallen. Von Gewässer zu Gewässer werden sie vor allem über Boote und Wassersportmaterial verschleppt. Einige dieser Neobiota können einheimische Arten verdrängen oder Infrastrukturen beschädigen.

Der Pfäffikersee sei bis heute glücklicherweise kaum von gebietsfremden Arten besiedelt, sagte Jsabelle Buckelmüller vom kantonalen Amt für Abfall; Wasser, Energie und Luft (AWEL) am Mittwoch an einer Medienführung. Sie ist Leiterin des Projektes «Neobiota-Freihaltezone Pfäffikersee».

Artenvielfalt gefährdet

Das Naherholungsgebiet Pfäffikersee ist heute ein funktionierendes Ökosystem und bietet zahlreichen seltenen und gefährdeten Pflanzen und Tieren einen Lebensraum.

Sobald sich gebietsfremde Tiere und Pflanzen einmal etabliert haben, sind sie laut Buckelmüller kaum mehr aus den Gewässern zu entfernen. Sie verbreiten sich stark, können einheimische Arten verdrängen und gefährden die Artenvielfalt in erheblichem Masse.

Durch die Übertragung der Krebspest haben beispielsweise Amerikanische Grosskrebse einheimische Edelkrebse bereits heute an einigen Orten zum Aussterben gebracht. Andere Neobiota wie Schwarzmeergrundeln verdrängen heimische Fischarten von ihren Laich- und Futterplätzen. Gebietsfremde Muscheln wie die Körbchen- oder Guaggamuscheln verstopfen Leitungssysteme.

Die Guaggamuschel ist in der Schweiz noch nicht verbreitet, sie wurde allerdings auf der deutschen Seite des Bodensees bereits gefunden. Die aus dem kaspischen Meer stammende Muschel drohe der nächste ungebetene Gast in Schweizer Gewässern zu sein, sagte Buckelmüller. Es gebe 20 weitere Arten, die sich möglicherweise in absehbarer Zukunft in Schweizer Seen breit machen werden.

Verbreitung durch Freitzeitboote

Für die globale Ausbreitung der Neobiota sind vor allem Frachtschiffe verantwortlich, an denen beispielsweise Muscheln kleben, die aber auch Ballastwasser mit ganzen Populationen von Kleintieren mitführen.

Innerhalb der Schweiz verbreiten sich die eingewanderten Tiere hauptsächlich über Freitzeitboote, Wassersportgeräte sowie Fischer- und Taucherausrüstungen, die von einem Gewässer ins andere gebracht werden.

Bootsbesitzer und Wassersportler einbeziehen

Für das Pilotprojekt zum Schutz des Pfäffikersees spiele die Sensibilisierung von Fischern, Bootsbesitzern und Wassersportlern eine wichtige Rolle, sagte Buckelmüller. Sie werden mit Flugblättern und Plakaten darauf aufmerksam gemacht, wie sie das Einschleppen der Neobiota verhindern. Geplant sind Stichprobenkontrollen bei den beiden Bootsrampen am Pfäffikersee. Damit soll die Wirksamkeit der Massnahmen geprüft werden. Bussen werden keine verteilt.

Auf den Flyern wird auch darauf hingewiesen, dass lebende Köderfische nicht von anderen Seen in den Pfäffikersee gelangen dürfen. Zudem werde die lokale Öffentlichkeit über das Thema Neobiata und die Folgen des illegalen Aussetzens von Aquarien- und Gartenteichbewohnern informiert.

Für das Projekt stehen 130'000 Franken zur Verfügung. Die Massnahmen werden von 2016 bis 2018 umgesetzt. Danach wird Bilanz gezogen und darüber entschieden, ob sie weitergeführt und allenfalls auf weitere Gewässer im Kanton Zürich ausgedehnt werden.

Das Projekt soll auch wichtige Erkenntnisse für eine kantonale Neobiota-Strategie liefern, die auch gesamtschweizerisch genutzt werden können.

Quelle: 20 Minuten, 18.8.2016

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