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Im See vor Güttingen TG befinden sich Überreste uralter Siedlungen. Forscher wollen nun deren Geheimnis auf die Spur kommen.

Die Taucharchäologen haben ihre Basis beim Hafen Güttingen eingerichtet: Sie führen über einen Zeitraum von rund acht Wochen Arbeiten weiter, die bereits 2008 begonnen haben. Damals erstellte die Hafenuniversität Hamburg ein exaktes Höhenmodell des Seegrunds von einer inselartigen Untiefe vor dem Schloss Güttingen, etwa 240 Meter vom Ufer entfernt. Denn dort liegt der sagenumworbene Mäuseturm (siehe Box).

Pfahlbausiedlungen von vor 3000 Jahren

Die Arbeiten wurden durch Forschungstaucher des Amts für Archäologie Thurgau begleitet. Dabei wurden Proben von Pfählen entnommen. Die Resultate der dendrochronologischen Untersuchung ergaben, dass die in einem Quadrat von 15 mal 15 Meter stehenden Pfähle aus dem 12. Jh. n. Chr. stammen.

Zum grossen Erstaunen der Forscher stellte sich jedoch heraus, dass einige Pfähle in die Spätbronzezeit, also rund 1000 v. Chr., datiert wurden. Es wurden auch spätbronzezeitliche Gefässscherben vom Seegrund geborgen. Das bedeutet, dass hier vor über 3000 Jahren bereits Pfahlbausiedlungen bestanden haben.

«Die Fundstelle war lange unbekannt, weil sie sehr weit draussen liegt», erklärt Simone Benguerel, Leiterin des Amts für Archäologie des Kantons Thurgau. Erst in den 80er-Jahren sei sie von Fischern entdeckt worden, weil die Untiefe bei niedrigem Wasserstand sporadisch aus dem Wasser auftauchte und eine Art quadratische Insel bildete. Auch Hölzer hätten aus dem Wasser geragt.

«Mit den jetzigen Arbeiten wollen wir herausfinden, wie gross die Fundstelle überhaupt ist», sagt Benguerel. War da bloss eine Pfahlbausiedlung oder gar mehrere? Sind die Pfähle allesamt aus der Spätbronzezeit oder steckt da noch anderes dahinter? Warum stand die Siedlung so weit vom Ufer entfernt? Viele Funde seien auch für das Team nicht erklärbar. «Im Moment stehen wir noch vor mehr Fragen als Antworten», so Benguerel weiter. Vielleicht habe die Lage mit der Untiefe vor Güttingen zu tun. Bisher wisse man nicht, wo damals der Wasserspiegel lag.

«Es ist enorm kalt und wir haben viel Material»

Wichtig für die Arbeiten sind vor allem auch die Forschungstaucher. Ein Team aus sechs Personen fährt jeweils auf dem Boot zur Fundstelle hinaus. «Sobald wir draussen sind, geht alles relativ zackig», erklärt Irene Homberger, Tauchinstruktorin des Global Underwater Explorer Teams.

Eine der grössten Herausforderungen sei sicherlich das Wetter: Es schaukle auf dem Boot und schlage das Equipment umher – dies unter wie auch über Wasser. Zudem könne man am Seegrund nicht kommunizieren, das Vorgehen müsse also vorab genau geklärt werden. Auch die Kälte stelle eine Herausforderung dar: «Es ist enorm kalt – im Wasser sind es circa 5 Grad. Glücklicherweise habe ich eine elektrische Heizung in meiner Kleidung», so Homberger. Damit könne sie solange unter Wasser bleiben wie sie wolle, im Schnitt seien dies so zwei bis drei Stunden am Stück.

Für Interessierte findet am 20. April ab 15 Uhr eine Informationsveranstaltung am Güttinger Hafen statt.

Quelle mit Bilder/Videos: http://www.20min.ch/schweiz/ostschweiz/story/Taucher-sollen-Raetsel-um-uralte-Siedlung-loesen-11214153

 

Box:

Der Mäuseturm verdankt seinen Namen folgender Sage: 

Einst war eine grosse Teuerung im Lande. Da sorgten die Herren ringsum für ihre Leute und gaben ihnen Korn. Die Herren von Güttingen aber, deren Speicher reichlich mit Getreide gefüllt waren, erbarmten sich ihrer Angehörigen nicht. Sie selbst lebten in Saus und Braus. Als nun die Not immer grösser wurde, lief das Volk in Scharen zusammen und flehte die Herren um Brot an. Da lockten diese die bettelnden Leute in eine alte Scheune, liessen diese dann durch ihre Knechte schliessen und anzünden. Als die Unglücklichen laut wehklagten und um Erbarmen flehten, rief einer der Freiherren höhnend: «Hört, wie die Mäuse pfeifen!» Alle Leute in der Scheune kamen in den Flammen um, aber diese grausame Tat blieb nicht ungestraft. 
Zahllose Mäuse belästigten alsbald die Burgen der Herren von Güttingen. Da flüchteten diese nach ihrer Wasserburg. Allein, auch dahin verfolgten sie die Mäuse und frassen sie bei lebendigem Leibe auf. Bald nach dem Tod der Herren von Güttingen versank die Burg in den See. 

(Arnold Oberholzer, Thurgauer Sagen 1912)

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